heteroclito cave & bar a vin
48 VINUM APRIL 2026 D ie Geschichte beginnt in einemun- scheinbaren Supermarkt am Dorf- platz von Argalasti, einem Dorf mit knapp 2000 Einwohnern im Süden der Halbinsel Pilion. Ein älterer weisshaariger Herr verkauft dort die Dinge des täglichen Bedarfs sowie ein paar Weine aus der Um- gebung. Die Etiketten versprechen nicht viel, aber die Neugier siegt, und eine Flasche Blanc de Noirs vom Weingut Patistis aus dem Dorf wandert in die Einkaufstasche. Nach dem Entkorken dann die grosse Überraschung. Ein Blanc de Noirs ist ja meist ein eher zah- mesWeinchen – dieser hier bricht mit sämt- lichen Erwartungen und Vorurteilen: bern- steinfarben im Glas, würzige Aromen von Kräutern und Nüssen, viel Druck am Gau- men. Sofort griff ich zum Telefon und wählte die Nummer des Winzers Andreas Patistis. «Wann kann ich vorbeikommen?!» «Mor- gen?» Alles klar. Das Weingut von Patistis thront auf einem Hügel über Argalasti, der Blick geht weit in alle Richtungen.VierHek- tar Reben stehen hier, dazu hat der 41-jäh- rige Winzer noch einige Oliven- und Zitro- nenbäume. Andreas Patistis – Rückkehr mit Vision Patistis trägt Arbeitshose und Wollmüt- ze, sein dichter Vollbart umrahmt ein sanf- tes Lächeln. Seine Geschichte ist typisch für die griechische Weinszene. Schon sein Grossvater machte hier Wein. Kunden wa- ren die Tavernen und Menschen aus dem Dorf. Sein Vater war hauptberuflich Archi- tekt,Winzer nur nebenbei. Und Patistis ging erstmal in die Stadt und studierte dort Che- mietechnik. «Aber schon beim ersten Prak- tikumdachte ichmir: «F*** it!›», sagt er und lacht. Er schmiss hin und ging zum Önolo- giestudium nach Montpellier. 2019 kam er aus Frankreich zurück und übernahm das Weingut. Aus Frankreich brachte Patistis die Liebe zur Eleganz mit, zurFeinheit. SeineWeine aus denRebsorten Xinomavro,Assyrtiko oderMalagousia sind sehr ausdrucksstark, haben eine hohe Säu- re, deutlich spürbare Salzigkeit und spielen mit flüchtiger Säure, er verwendet keinen Schwefel. Moderne Naturweine, Hipster- stoff, könnte man nun annehmen. Stimmt aber nicht. «Schon mein Vater hat so gear- beitet», sagt er. «Das ist bei uns die traditio- nelle Art, Wein zu machen.» ZumAbschied hat er noch einen Tipp: «Fahr nach Athen auf die Weinmesse Oenorama. Da kannst du dir einen guten Überblick verschaffen.» Die Oenorama in Athen ist die bedeu- tendste griechische Weinmesse. Jedes Jahr seit 1994 nehmen 250 Winzer teil, es gibt mehr als 2500Weine zu verkosten, und über 10000 Besucher sind zu Gast. An einemMorgen imMärz sind die Gän- ge zwischen den Ständen noch leer. Ein ro- ter Teppich dämpft die Schritte im Zappei- on Megaron, einem neoklassizistischen Bau inmitten von Athen. Vertreten sind die grossen Weingüter, Bigplayer wie Estate Argyros aus Santorini, mit 130 Hektar das grösste private Weingut der Insel. Von dort kommen kräftige, mineralischeWeissweine der Rebsorte Assyrtiko. Santorini ist die be- kannteste griechische Appellation, die Ge- schäfte laufen weltweit gut. Ein paar Stände weiter ist mit Alpha Es- tate ein weiteres wichtiges Weingut anwe- send. «Wir haben die griechischen Sorten doch überhaupt erst bekannt gemacht», sagt Konstantinos Makantasis, der Export- Manager. Vor mehr als 25 Jahren, als das Weingut gegründet wurde, kannten ausser- halb von Griechenland nur Freaks Rebsor- ten wie Assyrtiko und Xinomavro. «Unser 2 1 1 Andreas Patistis kreiert spannen- de Naturweine aus regionalen Sorten. 2 Argalasti liegt auf dem Pilion, der Halbinsel der Region Thessalien.
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