heteroclito cave & bar a vin
51 VINUM APRIL 2026 Reportage international I 3 2003 übernahm Thymiopoulos vier Hekt- ar von seinem Vater, und er hatte die kla- re Vision, alles nur erdenklich Mögliche an Eleganz und Grösse aus der Rebsorte Xino- mavro herauszukitzeln. Ihm war klar, dass er dabei ein paar Herausforderungen zu be- wältigen hatte. Qualität zu produzieren kostet Geld. Das hatte er nicht. Verdienen konnte er das auf demgriechischenMarkt nicht, dazumusste er ins Ausland. Aber kaum jemand ausser- halb Griechenlands kannte damals Xino- mavro und Importeure hatten kein Interes- se an griechischen Weingütern, da diese in aller Regel klein waren und nicht zuverläs- sig Mengen liefern konnten. «Mein Plan war ganz einfach: den besten Wein Griechenlands zu machen», sagt er. Dafür braucht es ein grosses Weingut, da- mit man mit der Basis genug verdient und in der Spitze tun und lassen kann, was man will. Das war Thymiopoulos von Anfang an klar. Also flog er in der ganzen Welt herum, um seine Weine zu zeigen – 8000 Flaschen produzierte er damals –, und so macht er es bis heute. Einen Social-Media-Auftritt hat er nicht, eine Website erst seit ein paar Jah- ren. Und es funktionierte trotzdem. Erst wurden die Franzosen auf ihn aufmerksam, dann die Kanadier, dann die Briten, die US- Amerikaner und die Japaner…«Es kam eins zumanderen», sagt er. Seine Formel für den Erfolg: Qualität, Philosophie und Dranblei- ben. Ertragsreduktion und Terroir Qualität entsteht für ihn durch aufwän- dige, biologischeWeinbergsarbeit. BeimXi- nomavro bedeutet das vor allem Ertragsre- duzierung. Die Rebsorte hat viel Tannin, sind die Erträge zu hoch, wirkt es am Gau- men aggressiv. Seine Philosophie erklärt er so: «Ich will die Trauben so pur wie nur ir- gendmöglich in die Flasche bringen.» Noch immer probiert er im Keller von Stahltank bis Amphore alles, um das Terroir bestmög- lich auszudrücken. Und das gelingt ihm. Jeder Xinomavro, von Basis bis Spitze, be- sticht durch eine perfekte Balance zwischen Frucht undWürze, wird getragen von feiner Säure und straffem, aber reifemTannin. Terroir, das ist seiner Meinung nach die Antwort auf internationale, eintönige Weine. «Die Welt braucht keinen weiteren Orangewein, keinen weiteren dicken Ca- bernet und keinen weiteren Provence-Ro- sé», sagt er. «Sondern authentische, einzig- artige Weine.» Thymiopoulos produziert derzeit mehr als eine Million Flaschen, mehr als 90 Pro- zent verkauft er imAusland. Sein Büroteam arbeitet seit Jahren in zwei Schichten. Die erste beginnt morgens um sechs Uhr, da ist in Japan gerade Mittag. Die zweite hört um 22 Uhr auf, da ist in den USA und in Kana- da der Vormittag zu Ende. Ein straffes Pensum. Vermutlich macht Thymiopoulos deshalb alles so schnell. Und vielleicht auch noch aus einem ande- ren Grund. Es ist der einzige Moment an diesem Nachmittag, an demThymiopoulos still sitzen bleibt. Seine Stimme wird heiser, als er erzählt, wie innerhalb weniger Mona- te erst sein Vater starb und dann sein Bru- der im Weinberg bei einem Traktorunfall ums Leben kam. Vielleicht wurde ihm da- Fotos: GettyImages/semakokal, z.V.g. 1 Mit nur vier Hektar Reben grün- dete Apostolos Thymiopoulos sein Weingut. 2 In der nordgriechi- schen Weinregion Naoussa steht fast ausschliesslich Xinomavro. 3 Das Wahrzeichen Thessalonikis: der weisse Turm.
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