heteroclito cave & bar a vin

50 VINUM APRIL 2026 derswo. «Wir haben zum ersten Mal die Si- tuation, dass der Markt zu uns kommt, wir müssen nicht auf ihn zugehen», sagt er. Zwischen Krisen und Naturwein Die coolste Weinbar in Athen ist das «Heteroclito». Sie liegt mitten im Viertel Syntagma, das oft als das Herz Athens be- zeichnet wird und bei Einheimischen und Touristen gleichermassen beliebt ist.Marie- Madeleine Lorantos führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Dimitris Koumakis. Sie sind so erfolgreich, dass sie neben der ers- ten Weinbar einen Laden und gleich dabe- neben eine weitereWeinbar eröffnet haben. An diesem lauen Dienstagabend ist jeder Tisch besetzt. Lorantos ist eine kleine, drah- tige Person mit elegantem Pagenschnitt und einem freundlichen Lächeln. Sie zün- det sich eine dünne Zigarette an und winkt einer Mitarbeiterin. Kurze Zeit später ste- hen Oliven und Pét-Nat von der Pelopon- nes auf dem Tisch. Vor dem «Heteroclito» arbeitete Lorantos imTourismus und orga- nisierte grosseMessen. «Ich habe imLeben aber nach etwas anderem gesucht», sagt sie. Und das sollte etwas mit Reisen, Essen und Trinken zu tun haben. «In Griechenland gab es lange Zeit nur Weinbau für den Hausgebrauch und für die Tavernen», sagt Lorantos. Geändert hat sich das erst in den 1980er Jahren. Aufmerksam- keit erregte Griechenland damals mit in- ternationalen Sorten. «Erst mit der Welt- wirtschaftskrise 2008 und der griechischen Finanzkrise ein paar Jahre später hat man begonnen, sich zu besinnen», sagt sie. «Im Prinzip war es Wahnsinn, was wir gemacht haben.» Genau damals, als die griechische Krise im Jahr 2012 am schlimmsten war, eröffne- te Lorantos ihreWeinbar. In ganzAthen gab es zwei, dreiWeinbars, dieArbeitslosenquo- te und die Armut waren stark angestiegen. «Hier in der Strasse», sagt Lorantos und deutet mit der Zigarette die quirlige, brei- te Fokionos-Gasse entlang, «waren alle Ge- schäfte dunkel und geschlossen.» Ins «Heteroclito» traute sich zu Beginn niemand – zu ungewohnt, zu exotisch, zu gering das Wissen über Wein. Zunächst ka- men die jungen Athener. «Die wussten da- mals nichts über Wein, die wollten keine Säure und keine Tannine», sagt Lorantos. Sie musste ihren Gästen anfangs viel erklä- ren, ihnen dabei helfen, sich zurechtzufin- den.Mit Erfolg. Das «Heteroclito» ist inzwi- schen the place to be, wenn es in Athen um Wein geht. Hier findet man Neuentdeckun- gen und bringt eigene mit. «Ich probiere al- les, was die Gäste mir einschenken. Und wenn es mir gefällt, dann nehme ich es ins Sortiment», sagt Lorantos. Naoussa: Die Vision vom grossen Xinomavro International ist Apostolos Thymiopou- los eine echte Nummer. Um ihn zu treffen, führt der Weg in den Norden Griechen- lands, in die Weinregion Naoussa. Sie ist fast ausschliesslich mit der Rebsorte Xino- mavro bepflanzt und gerade mal 350 Hekt- ar gross – 56 davon gehörenThymiopoulos. Sein Weingut ist auch mit Navigations- gerät nicht leicht zu erreichen. Die ers- te Strasse wird durch eine tiefe Baugrube versperrt. Die zweite endet in einem mat- schigen Feldweg, erst die dritte führt zum Ziel. «Ja, stimmt, da muss ich mal Schilder aufstellen», sagt Thymiopoulos bei der Be- grüssung. Er ist ein kräftiger, freundlicher Mann, der immer in Bewegung ist. Drei kleine Hunde rennen um ihn herum: ei- ner weiss, einer braun, einer schwarz, alle genauso quirlig wie ihr Herrchen – was der ruhige, riesige Hütehund zwischen ihnen macht, bleibt ein Rätsel. «GriechischerWein ist keine Mode. Er ist unsere Sprache, und wir lernen gerade, sie besser zu sprechen.» ApostolosThymiopoulos. 1 2 3

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