heteroclito cave & bar a vin

53 VINUM APRIL 2026 Reportage international I Fotos: Angelos Zymaras, z.V.g. schen brauchten schliesslich etwas zu essen und Arbeit. Zukunft zwischen Aufbruch und Klimaangst So liess die Regierung Weinreben roden, besonders in den Ebenen Nordgriechen- lands. Stattdessen wurde dort nun Getrei- de angebaut, um die Ernährung der Bevöl- kerung zu sichern. Ausserdem legte man Tabak- und später Baumwollplantagen an. Der Export brachte ausländisches Kapital ins Land. «Die Peloponnes und Kreta sind davon verschont geblieben, denn dort gibt es keine Ebenen», sagt Haitidis. Ende der 1980er Jahre gingen erstmals ei- nige junge Griechen zumStudiumder Öno- logie nach Frankreich.Als sie zurückkamen, arbeiteten sie zunächst in den Grosskeller- eien, die 1949 nach dem Ende des Griechi- schen Bürgerkriegs entstandenwaren. Eini- ge begannen aber schon bald damit, eigenen Wein zu machen, in der Regel handelte es sich um Cuvées mit den im Bordelais übli- chen Sorten, also hauptsächlich Cabernet Sauvignon und Merlot. «Das lag auch dar- an, dass es rechtlich gesehen einfacher war, internationale Sorten anzubauen als heimi- sche», sagt Haitidis. Die nächsten grossen Umwälzungen in der Geschichte des griechischen Weins wurden durch Krisen hervorgerufen. Die erste war die Weltwirtschaftskrise im Zuge der Pleite von Lehman Brothers in denUSA im Jahr 2008. Die Traubenpreise rauschten in den Keller, und Landwirte, die bislang nur Trauben produziert und an die Kelle- reien verkauft hatten, gründeten hier und da eigene kleineWeingüter.Wegen der Krise waren diese gezwungen, zu exportieren, um ihre Weine loszuwerden. Und da erkannten die Winzer, was für ein Schatz die autoch- thonen Reben sind. Denn ein Merlot oder Cabernet Sauvignon ist immer internatio- nal vergleichbar und muss sich diesemVer- gleich stellen – ein Xinomavro oder Assyr- tiko hingegen nicht. Als die Krise alles veränderte 2010 begann die griechische Finanzkrise. Für das Land ein Dilemma. Hohe Staats- schulden und schlechte Wettbewerbsfä- higkeit führten zu einem enormen Ver- trauensverlust an den Finanzmärkten. Es gab internationale Rettungspakete, die mit sehr harten Sparmassnahmen einher- gingen. Viele Menschen wurden arbeitslos und verarmten. IhreWut richtete sich gegen Wolfgang Schäuble. Der damalige deutsche Finanzminister positionierte sich als Hard- liner – der Ruf der Deutschen und der EU als Ganzes war mies. Griechenland ging es schlecht, für den Wein bedeuteten diese Jahre einen enor- men Schub – und das gleich aus mehreren Gründen. So verliessen junge, gut ausgebil- dete Menschen die Städte und gingen aufs Land. Einige von ihnen wandten sich – auf dem Boden ihrer Familien – der Landwirt- schaft zu und versuchten sich am Anbau und der Herstellung verschiedener Produk- te. Die Griechen orientierten sich verstärkt an ihrem eigenen Erbe, auch in der Kulina- rik und damit imWeinbau. Wein war damals out. Junge Leute tran- ken Cocktails und Spirituosen. Obwohl Griechenland nur elf Millionen Einwohner hat, war es vor der Krise weltweit der viert- grösste Markt für Whisky. Haitidis erinnert sich: «Es gab damals imFernsehen dauernd Werbung für harten Alkohol. Das änderte sich schlagartig, die Investitionen der aus- ländischen Konzerne brachenweg», sagt er. Es entstand eine Lücke, in die derWein mit Erfolg stiess. Die Zahl der Betriebe vervier- bis verfünf- fachte sich in den vergangenen 15 Jahren und die Qualitäten sind gut bis herausra- gend – alles gut also im Land der trinken- den Götter? 3

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