Zwischen Krisen und Naturwein
Die coolste Weinbar in Athen ist das «Heteroclito». Sie liegt mitten im Viertel Syntagma, das oft als das Herz Athens bezeichnet wird und bei Einheimischen und Touristen gleichermassen beliebt ist. MarieMadeleine Lorantos führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Dimitris Koumakis. Sie sind so erfolgreich, dass sie neben der ersten Weinbar einen Laden und gleich dabeneben eine weitere Weinbar eröffnet haben.
An diesem lauen Dienstagabend ist jeder Tisch besetzt. Lorantos ist eine kleine, drahtige Person mit elegantem Pagenschnitt und einem freundlichen Lächeln. Sie zündet sich eine dünne Zigarette an und winkt einer Mitarbeiterin. Kurze Zeit später stehen Oliven und Pét-Nat von der Peloponnes auf dem Tisch. Vor dem «Heteroclito» arbeitete Lorantos im Tourismus und organisierte grosse Messen. «Ich habe im Leben aber nach etwas anderem gesucht», sagt sie.
Und das sollte etwas mit Reisen, Essen und Trinken zu tun haben. «In Griechenland gab es lange Zeit nur Weinbau für den Hausgebrauch und für die Tavernen», sagt Lorantos. Geändert hat sich das erst in den 1980er Jahren. Aufmerksamkeit erregte Griechenland damals mit internationalen Sorten. «Erst mit der Weltwirtschaftskrise 2008 und der griechischen Finanzkrise ein paar Jahre später hat man begonnen, sich zu besinnen», sagt sie. «Im Prinzip war es Wahnsinn, was wir gemacht haben.»
Genau damals, als die griechische Krise im Jahr 2012 am schlimmsten war, eröffnete Lorantos ihre Weinbar. In ganz Athen gab es zwei, drei Weinbars, die Arbeitslosenquote und die Armut waren stark angestiegen.
«Hier in der Strasse», sagt Lorantos und deutet mit der Zigarette die quirlige, breite Fokionos-Gasse entlang, «waren alle Geschäfte dunkel und geschlossen.»
Ins «Heteroclito» traute sich zu Beginn niemand – zu ungewohnt, zu exotisch, zu gering das Wissen über Wein. Zunächst kamen die jungen Athener. «Die wussten damals nichts über Wein, die wollten keine Säure und keine Tannine», sagt Lorantos.
Sie musste ihren Gästen anfangs viel erklären, ihnen dabei helfen, sich zurechtzufinden. Mit Erfolg. Das «Heteroclito» ist inzwischen the place to be, wenn es in Athen um Wein geht. Hier findet man Neuentdeckungen und bringt eigene mit. «Ich probiere alles, was die Gäste mir einschenken. Und wenn es mir gefällt, dann nehme ich es ins Sortiment», sagt Lorantos.


