heteroclito cave & bar a vin
55 VINUM APRIL 2026 Fotos: z.V.g. «Im Frühjahr, wenn es bei uns feucht ist, sind die Blätter noch locker und die Feuchtigkeit kann ent- weichen. Im Sommer, wenn sie dicht sind und Schatten spenden, ist es trocken. Pilz- krankheiten sind also kein Problem.» Theodoros Germanos 3 und Trockenheit machen ihr seit drei Jah- ren zu schaffen – die Erntemenge war je- weils nur noch halb so hoch. Für einen Be- trieb, der normalerweise nicht mehr als 50000 Flaschen abfüllt, ist das ein herber Schlag. «Wir hoffen darauf, dass das Wetter wieder normaler wird», sagt Aslanis. Aber ihr ist klar, dass Hoffnung allein nicht aus- reicht. Bewässerung ist eine Option. Nur: Wo soll das Wasser auf Dauer herkommen, bei zunehmender Trockenheit? «Eine an- dere Möglichkeit ist, neue Weinberge wo- anders anzulegen, mehr in die Höhe zu gehen», sagt die Winzerin. Der Klimawan- del – da sind sich die Winzer einig – ist in den kommenden Jahren die grösste Heraus- forderung. Es gibt schon Ideen, wie sich zumindest die Hitze in denGriff bekommen lässt. Etwa eine Dreiviertelstunde im Landesinneren liegt das Weingut Moschopolis. Theodoros Germanos hat es gemeinsam mit seinem Vater zu einer der Erfolgsstorys des grie- chischen Weins gemacht. «Wir haben vor acht Jahren als Garagenwinzer begonnen», sagt Germanos. «Doch bald war die Gara- ge zu klein.» Aktuell produziert das Wein- gut 70000 Flaschen, und selbst das deckt die Nachfrage nicht. DieArbeit in denWein- bergen ist bei Moschopolis besonders span- nend. Denn sie ist einzigartig und offenbart eine Möglichkeit, dem Klimawandel zu be- gegnen. Germanos’Vater arbeitete vor rund 25 Jahren auf Santorini, der heissen und windigen Vulkaninsel im Süden der Ägäis. Die Reben dort werden seit Jahrhunderten eng am Boden wie ein Korb geflochten. Die Blätter wölben sich über die Trauben, das schützt die Früchte vor der sengenden Son- ne. «Mein Vater hatte die Idee, diesen Korb nach oben zu öffnen», sagt Germanos. Die Reben wachsen ähnlich wie bei einer Per- gola nach oben, die Triebe und Blätter bie- ten den Trauben dann einen buschähnli- chen Schutz. «ImFrühjahr, wenn es bei uns feucht ist, sind die Blätter noch locker, und die Feuchtigkeit kann entweichen. ImSom- mer,wenn sie dicht sind und Schatten spen- den, ist es trocken. Pilzkrankheiten sind also kein Problem», sagt der Winzer. Laut Germanos hat diese Art der Reber- ziehung gleich mehrere Vorteile. Zum ei- nen hängen die Trauben so hoch, dass Tiere sie nicht erreichen können. So sind Wild- schweine kein Problem, und Schafe halten die Begrünung kurz. Zum anderen ist es in den Weinbergen durch das Blätterdach bis zu fünf Grad kühler als ausserhalb.Auch die Zahlen sind deutlich: «Wir lesen mindes- tens zweiWochen später als andereWeingü- ter in der Region. Und die Uni inThessaloni- ki hat herausgefunden, dass die Säurewerte unserer Beeren bis zu 50 Prozent höher sind», sagt Germanos. Inzwischen interes- sieren sich andere Weingüter für dieses Er- ziehungssystem. Auch in diesemFeld ist griechischerWein spannend. Hinzu kommt, dass man hier noch richtige Entdeckungen machen kann. GriechischerWein hat eine gute Zukunft, da ist sichApostolosThymiopoulos aus Naous- sa sicher. Denn wie er zum Abschied sagt: «Griechischer Wein ist keine Mode. Er ist unsere Sprache. Und wir lernen gerade, sie besser zu sprechen.» 1 Zwei Schwestern als Team: Vicky und Eleni Aslanis. 2 Das Team imWeingut Moschopolis: Theodoros Germanis, Dimitrios Paralidis und Aliki Germani-Pa- ralidi. 3 Die Weinberge werden nicht gepflügt und dienen auch als Schafweide.
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